Samstag, 21. März 2015

Hätten sie doch nur Wein getrunken!


Wein weitet den Geist, öffnet das Herz, lädt zum friedlichen, fröhlichen und geselligen Leben ein. Der Schwarze Block vom vergangenen Mittwoch in Frankfurt hat zumindest keinen Wein getrunken. Mit Sicherheit auch keinen Apfelwein. Nicht aber, weil sie sich der Fastenzeit verschrieben haben, sie brauchten einen kühlen und klaren Kopf bei ihren geplanten, strategisch ausgefeilten Gewaltaktionen.

Johann Adam von Itzstein
Vielleicht wäre Ihnen bei einem Glas Wein die Bedeutung des 18. März für unsere Geschichte bewusst geworden. Allerdings glaube ich, sie haben noch nie etwas von Georg Forster, Adam Lux, Kaplan Arensberger, Philipp Jakob Siebenpfeiffer, Johann Georg August Wirth, Johann Adam von Itzstein, Joseph Fickler, Johann Philipp Becker, Louise Otto-Peters, Mathilde Franziska Anneke, Hedwig Dohm und vielen anderen gehört.

Von den Gewalttätern in Frankfurt, es waren keine Chaoten, unterscheidet diese Revolutionäre etwas ganz besonderes: Sie waren die Gestalter der Mainzer Republik, die am 18. März 1793 ausgerufen wurde, Organisatoren des Hambacher Festes bzw. wichtige Protagonisten des Berliner Aufstandes vom 18. März 1848 – all dies mündete in die deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Sie standen und stehen mit ihrem Namen und ihrem Gesicht für den unbedingten Willen zur Veränderung, sie waren Freiheitskämpfer! Sie nahmen persönliche Einschränkungen und Repressalien für eine neue Demokratie in Kauf. Und auch die Kämpfer für die Volkskammerwahl am 18. März 1990 in der ehemaligen DDR hatten ein hohes, persönliches Risiko zu tragen.

Tanz um den Freiheitsbaum 1793
Ganz anders am 18. März 2015 in Frankfurt: Vermummte führen ganz gezielte und ausgesprochen professionell geplante gewalttätige Attacken durch. Dabei sind bewusst die Gefährdung und Verletzung von Menschen eingeplant. Nicht anders ist zum Beispiel das Werfen eines Brandsatzes in ein Polizeiauto mit Insassen zu bewerten. Die Behinderung von Rettungskräften ist ein weiteres Beispiel für diese durch nichts zu rechtfertigende Gewalttätigkeit in Frankfurt.

Die Organisatoren der Demonstration machen es sich zu einfach, wenn Sie erschrocken sind über das Ausmaß der Gewalt oder darauf verweisen, dass die Polizei nicht deeskalierend gewirkt habe. Ich will hier nicht auf die vielen herunterspielenden Aussagen eingehen. Bewegungen wie Occupy und Blockupy müssen sich nicht nur distanzieren, sie muss sicherstellen, dass es in keiner Weise eine Verbindung zwischen berechtigten demokratischen Anliegen und geplanter Gewalttätigkeit gegen Mensch und Eigentum gibt. Der Hinweis auf Wut rechtfertigt keine Gewalt! Es gibt für diese Aktionen keine Entschuldigung. Da sind auch DIE LINKEN und VERDI gefordert.


Wo stehen Occupy und Blockupy?

Occupy Frankfurt

Wer sich die Facebook-Seite von Occupy Frankfurt anschaut, ist über das Profilbild überrascht. Vermummte fordern: „Besetzt die Welt“. Ich dachte, das Ziel der ganzen Demonstrationen sei eine Befreiung, eine Revolution zur Veränderung und Verbesserung von Lebensbedingungen auf der ganzen Welt. Dieses Profilbild lädt jedoch jedoch zur Vermutung der Nähe zum schwarzen Block in Frankfurt ein.


Kritik und Demonstration muss sein!


Ja, so unendlich viele politische Entscheidungen und Maßnahmen sind kritikwürdig. Es ist nicht hinnehmbar, dass man mit Spekulationen auf Nahrungsmitteln Geld verdient; dass auf Zinseinkünfte ein niedriger Steuersatz zu entrichten ist als auf Arbeitseinkünfte; dass wir einer der größten Waffenlieferanten dieser Welt sind; dass wir in Europa eine Wirtschafts- und Finanzunion geschaffen haben, aber keine Sozialunion; dass mit Steuergeldern gerettete Banken heute wieder ungeheure Boni auszahlen. Es gibt so viele Themen und Vorgänge, die angegriffen werden müssen. Ja, jetzt, hier und überall.

Dankbar bin ich, dass ich in einem Land mit Grund- und Freiheitsrechten lebe, wo ich all überall diese Kritik äußern und für Veränderungen eintreten kann; wo Menschen, wie die 150 verletzten Polizeibeamten in Frankfurt, für meine Freiheitsrechte einstehen. Das ist Demokratie. Die gilt es zu erhalten und dafür gilt es zu kämpfen. Mit Worten und Taten. Nicht mit Gewalt!
 
Übrigens, im Revolutionsjahr 1793 gab es im Rheingau „einen sehr guten und starken Wein, aber sehr wenig“, wie wir der Rheingauer Geschichts- und Wein-Chronik aus dem Jahre 1854 entnehmen können. Im Jahr der Frankfurter Nationalversammlung 1848 war „der Wein ziemlich gut, dem 1826er ähnlich.“ Weiter heißt es in der Chronik: „Der Weinhandel lag in Folge der bewegten Zeiten ganz darnieder, Niemand wollte kaufen, weil Jeder fürchtete, daß er seines Eigenthums beraubt würde.“


Rheingauer Geschichts- und Wein-Chronik 1854