Mittwoch, 3. Juni 2015

Ein Blatter macht noch keinen Sommer

Leute, Leute, Leute! Es geschieht doch noch etwas. Ich dachte schon an Stillstand. Deswegen war es hier auch so ruhig. Aber, die Erde, nein zumindest der Fußball dreht sich doch! Erst der HSV, jetzt der Sepp. Was für Zeiten.

1215. Die Welt steht mal wieder still. Klar, nur in England. Die Barone, sozusagen das Exekutivkomitee des alten Englands, trotzen dem König Johann Ohneland machtvolle Rechte ab. Wir feiern das Papier gerne als Vorläufer unserer heutigen demokratischen Verfassungen. Johann war eine tragische Figur. Sein Bruder Richard Löwenherz lässt jedes Bubenherz hörbar schlagen. Nun, jener Richard geriet auf dem Kontinent in Gefangenschaft. Heinrich VI. und Leopold V. erpressten viel Geld für seine Freilassung. Heinrich investierte es letztlich in die Entwicklung von Worms und Speyer; Leopold gründete damit die Wiener Neustadt. Wenn Großbritannien – als Rechtsnachfolger des damaligen Englands – heute seinen Verbleib in der EU von der Rückzahlung der damals horrenden Zahlungen abhängig machen würde, sie bräuchten kein Referendum für ihren Austritt. Die Geschichte der Magna Carta folgt im übernächsten Blog.

Die Macht der Bilder

Man könnte glauben, Blatter sei damals schon dabei gewesen. Ewig hat er in unserer Wahrnehmung die Schlagzeilen, den Fußball und die Bilder bestimmt. Ihm ging es immer um die Macht der Bilder. Um die Fernsehrechte. Sepp Blatter war damals aber nicht dabei, er war nur 17 Jahre Präsident der FIFA. Dank der Amerikaner ist das jetzt vorbei. Ausgerechnet die USA. Deren Verfassung ruht auf der Magna Carta. Gut. Guantanamo lässt grüßen. Vielleicht gibt es doch schon länger den Blatter Sepp als Menschenrechte in den USA.

Deren Friedensnobelpreisträger und Präsident bespricht sich am Wochenende mit sechs anderen beim G7-Treffen ohne den achten, Russlands Putin. Der ist nämlich böse, auch weil der die WM 2018 gekauft hat. Weil sich aber die sieben Großen der Welt jetzt treffen, setzen wir auch mal schnell die Rechte außer Kraft, deren Fehlen wir in Russland so beklagen. Bei diesem Gipfel (wir haben mehr Gipfel als Berge) werden wieder einmal die Probleme gelöst, die die Großen schon seit Jahren gelöst haben wollten.

Blatter sagte beim Kongress in Zürich vor ein paar Tagen, „Ich habe damit nichts zu tun.“. Gemeint war natürlich die Korruption bei der FIFA. Dieser Satz hat in unserer Welt Allgemeingültigkeit. Keiner hat mit irgendwelchen Dingen auf dieser Welt zu tun. Und täglich grüßt das Murmeltier. Es gibt wichtigere und drängendere Probleme, die wie in einer Endlosschleife immer wieder vor unserem Auge sind. Wir erfahren so unendlich viel und wissen nichts! Weil nichts passiert. Ukraine, Griechenland, der Terror in den arabischen Staaten, die Flüchtlingsdramen – mehr als 1800 registrierte Flüchtlingstote alleine bisher in diesem Jahr. Die Bilder verblassen. Wir leben in einer Welt der kollektiven Unverantwortlichkeit. Das wird sich nach dem x-ten Gipfel nicht ändern.

Wir haben nie was hingeblattert!

Aber Blatter bestimmt die Nachrichten. Das hat er schon vor vier Jahren, vor acht auch. Klar, auch bei seiner ersten Kandidatur 1998. In den letzten Jahren konnten immer wieder die gleichen Texte abgeschrieben werden. Übrigens, wir Deutschen haben damit nichts zu tun. Bei uns werden keine großen Summen für Fernsehrechte hingeblattert. Und unsere Fußball-Funktionäre sind immer wieder aufs Neue irritiert, wenn sie teure Uhren in ihren Werbetaschen finden.

Einer hatte Mut in Zürich: Der Brite David Gill. Vielleicht wird er sich an den Kampf gegen Johann Ohneland erinnert haben.